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Ulloa + Juan · Geheime Notizen

Neunte Sitzung: Weisse Europäer und Mischlinge

Die weissen Europäer mit Adelsrechten und griechischer Planungskultur – die Kreolen stammen von Sklaven ab und können nicht planen.

Übersetzt und präsentiert von Michael Palomino (2023 – Deepl, Bing Translator, Translator.eu)
Hinweis: Diese Seite gibt einen historischen bzw. editorisch bearbeiteten Text in modernisierter Webform wieder. Der Inhalt enthält polemische, rassistische und diffamierende Aussagen aus der Vorlage bzw. deren Bearbeitung und wird hier nicht befürwortet.
Aus: Jorge Juan y Antonio de Ulloa, Noticias Secretas de América (für den König in Madrid 1748, publiziert in London 1826).
Online-Publikation laut Vorlage: Serhii Kupriienko, 06.07.2008.

1. Dauerkrieg zwischen Weissen und Kreolen

Weisse aus Spanien mit Adelsrechten und Kreolen ohne Adelsrechte, die von Sklaven abstammen.
[1] In Städten mit grosser Bevölkerung erscheinen Spanier und Kreolen als dauernd verfeindete Gruppen. Aus kleinsten Anlässen entstehen Hass, Rache und Unruhen.
[2] Schon die Herkunft genügt laut Vorlage als Feindmarkierung: Europäer stellen sich gegen Kreolen, und Kreolen hassen Europäer. Aus Abneigung wächst eine dauernde geistige Erregung.
[3] Die Städte werden als öffentliches Theater dieser Feindschaft beschrieben. Nur wenige angesehene Würdenträger sollen laut Text nicht von dieser „Krankheit“ befallen sein.
[4] Besonders in Bergstädten und Bergdörfern seien die Konflikte scharf. Dort werde Parteilichkeit zum Hauptthema des gesellschaftlichen Lebens.
[5] Der Text kündigt eine Analyse dieses Dauerkriegs und möglicher Gegenstrategien an.

2. Die Prinzipien des Dauerkriegs

Adelsrechte, Eitelkeit, Neid und Konkurrenz.
[6] Als Hauptursachen werden übersteigerte Eitelkeit der Kreolen und die soziale Lage der neu ankommenden Europäer genannt. Aufstiege von Europäern würden Neid und Intrigen auslösen.
[7] Neuankömmlinge würden in Familien und Netzwerke eingeführt, während zugleich familiäre Schwächen und interne Spannungen offengelegt würden. Daraus entstünden dauerhafte Konfliktlinien.
[8] Kreolen werden im Text als sorglos und konsumorientiert geschildert; Europäer dagegen als jene, die Handel und Vermögen aufbauen und dadurch wiederum Neid provozieren.
[9] Erfolgreiche Europäer gewinnen Ansehen bei Gouverneuren und Ministern, übernehmen Vermögen und steigen sozial auf. Laut Text verschärft dies den Hass der Kreolen.
[10] Selbst innerhalb von Familien setze sich der Konflikt fort: Kinder würden jeweils gegen die andere Herkunftsgruppe beeinflusst.
[11] Kreolen suchten Eheverbindungen mit Weissen, lehnten jedoch Regierungen durch aus ihrer Sicht unqualifizierte Weisse ab.
[12] Weisssein und europäische Herkunft erscheinen in der Vorlage als eigenes Aufstiegskapital – oft wichtiger als Fähigkeit oder Ausbildung.
[13] Reagieren Kreolen mit Wut, folgen Beschimpfungen und Demütigungen; die Weissen antworten mit Gegenangriffen über Herkunft und Familienverhältnisse.
[14] Ergebnis sei ein Zustand ständiger Sorgen, Intrigen, Unruhe und Parteinahme.
[15–16] Der Text verbindet diese Konflikte zudem mit Verfall von Handwerk, Kunstschaffen und einer Auswanderungsbewegung aus Spanien nach Westindien.

3. Ideen für Massnahmen zum Ausgleich

[17] Einwanderer ohne königliche Erlaubnis oder ohne Anstellung sollten in Westindien nicht als adlig gelten und keine Ehrenämter bekleiden dürfen.
[18] Handel sollte nur qualifizierten Europäern offenstehen. Dadurch würde Auswanderung sinken und die Qualität der Einwanderer steigen.
[19] Bürgermeister müssten jährlich neu bestätigt werden, um familiäre Machtkartelle zu durchbrechen.
[20] Minister und Amtsträger sollen die Verhältnisse in Peru kennen und klare Ämterverbote für unqualifizierte Bürger ohne Titel durchsetzen.
[21] Stimmenkauf und manipulierte Schöffenwahlen werden als zentrales Problem beschrieben.
[22] Als übergeordnete Gegenstrategie erscheint erneut: Einwanderung reduzieren und so die Parteilichkeit abschwächen.

4. Manöver von Weissen und Kreolen, um ihren Stand zu verbessern

[23] Im Hochland dominierten Europäer den Handel, während Kreolen in Häfen und in Lima stärker präsent seien. Wer reich werden wolle, brauche Schutz, Beziehungen oder Heirat.
[24] Bürgermeisterwahlen erscheinen als von Hetze, Propaganda und gegenseitigen Familienfehden durchzogen.
[25] Der Wahlkampf münde meist in Drohungen, Beschwerden und Demütigungen – nur selten in offenen Waffengebrauch.

5. Europäer gegen Kreolen in Kirchen

[26] Der Dauerkrieg setze sich laut Text in den kirchlichen Gemeinschaften fort. Wo Europäer und Kreolen gemischt seien, entstünden erneut zwei Lager.
[27] Selbst in gelehrten Orden gelinge Frieden nicht dauerhaft. Europäer würden die Eignung der Kreolen für Ämter infrage stellen; Kreolen antworteten mit Vorwürfen von Unterdrückung.
[28] In weniger klugen oder weniger geordneten kirchlichen Zusammenhängen werde der Konflikt noch heftiger und ende oft erst mit finanzieller oder institutioneller Erschöpfung.
[29] Daraus folgert die Vorlage, dass Regierende Erfahrung, Distanz und Besonnenheit brauchen, um die städtischen Konflikte zu zügeln.

6. Gerichte und Gerichtsentscheidungen

[30] Richter und Statthalter müssten mit grösster Sorgfalt ausgewählt werden. Unerfahrene oder parteiische Männer verschärften die Konflikte, statt sie zu ordnen.
[31] Die Vorlage erinnert an Fälle in Lima, in denen selbst schwer belastete Funktionsträger nicht wirksam bestraft wurden.

7. Fall: Wenn Stadtregierungen aus Kriminellen bestehen

[32] Sind Regierende selbst korrupt oder parteiisch, verwandle sich die Stadt in einen Kriegsschauplatz. Schlechte Vorbilder zögen weiteres Fehlverhalten nach sich.

8. Fall: Wenn 2 Kreolen oder 2 Europäer leitende Posten haben

[33] Laut Text sei die problematischste Konstellation jene, in der beide Spitzenämter einer Provinz an Kreolen fielen; zwei Europäer würden sich hingegen eher gegenseitig mässigen.

9. Fall: Weltliche Regierung aus Europäern, kirchliche aus Kreolen

[34] Diese Mischform könne zeitweise stabiler sein, doch innere Kämpfe um Kirchenposten, Patronate und Zuständigkeiten würden die alten Feindschaften schnell neu entfachen.

10. Neue religiöse Abspaltungen provozieren neues „Durcheinander“

[35] Neue religiöse Richtungen erscheinen in der Vorlage als weitere Propagandaorganisationen, die Spaltungen vertiefen und den Respekt vor Richtern und Ordnungen untergraben.

11. „Christliche“ und „freie“ Gebiete

[36] Der Text kontrastiert christlich beherrschte Gebiete mit freien Territorien, in denen Ureinwohner ohne Tribute und ohne Unterordnung unter die koloniale Obrigkeit lebten.
[37] Koloniale Kriege erzeugten bei diesen freien Gemeinschaften Traumata, Verwüstungen und historische Fabelbildungen.
[38] In freien Gebieten gelten lokale Autoritäten nur solange, wie sie akzeptiert werden; missbrauchte Macht könne dort zum offenen Widerstand führen.

12. Das Leben in den Städten: Kriminalität bei Weissen und Kreolen

[39] Vögte, Bürgermeister und andere lokale Autoritäten würden Konflikte oft scheuen oder delegieren. Nur selten griffen sie entschlossen ein.
[40–41] Geschildert wird ein Fall einer Fehde zwischen Kreolen und Europäern, die in Verwundungen, nächtlichen Verfolgungen und einer halbherzigen Verhaftungsaktion endete.

13. Gerichtsfälle in den Städten

[42] Selbst königliche Forderungen wie Tribute seien oft kaum eintreibbar, weil lokale Richter und Vögte ohne wirkliche Durchsetzungsmacht blieben.
[43] In Lima scheiterte eine Kriegsanleihe gegen England teilweise am Widerstand der Bevölkerung, obwohl Händler und Bürger unter Druck gesetzt wurden.
[44] Ähnlich verlief die verlangte Spende für den neuen Königspalast in Madrid: Manche zahlten, andere nur teilweise, viele gar nicht.

14. Fälle mit Rebellion, Willkür und schwacher Justiz

[45] Manche Städte seien besonders anfällig für Aufstände und Rebellionen gegen die Justiz. Richtersprüche verlören dort schnell ihre Wirkung.
[46] Ursache sei nicht nur Mentalität, sondern auch Struktur: riesige Distanzen, knappe Ressourcen und fehlende Truppen schwächten jede Durchsetzung.
[47] Die Vorlage plädiert deshalb für reife, wenig habgierige Gouverneure, die nur bei hartnäckigen Schwerverbrechern entschlossen strafen.
[48] Wenn Regierungen selbst kriminell oder parteiisch auftreten, verlieren Ordnung und Gesetz in den Augen der Bevölkerung jeden Wert.

15. Kriminelle Regierungen werden von den Bevölkerungen kopiert

[49] Regierung und Volk spiegeln sich laut Text gegenseitig. In der Ferne zu Madrid verliere die königliche Autorität ihre Vorbildkraft.
[50] Ungehorsam gegen Gesetze entstehe teilweise aus dem schlechten Vorbild der Regierenden selbst – bis hin zu Vizekönigen, die spanische Anordnungen aussetzten.
[51] Besonders scharf greift die Vorlage religiöse Führer an: Sie missbrauchten Macht, bedrängten Justiz und befreiten mitunter sogar Gefangene.
[52] Der Schlusspunkt ist pessimistisch: Die Maschinerie von Missbräuchen sei kaum ausrottbar. Man könne höchstens gute, unparteiische Statthalter wählen und Kriminalität begrenzen.